Die zwei Teilnehmer der Hochtourenwoche reisten gemeinsam im Elektroauto von Wiesbaden nach Saas Fee, um sich dort auf ca. 1.800 m Höhe etwas akklimatisieren zu können. Nach der Ankunft verbrachten sie die Nacht nahe Saas Fee und trafen sich am Montag mit Paul, der per Zug angereist war, an der Staumauer in Mattmark.
Am frühen Nachmittag begann der Aufstieg zur Britanniahütte, die auf 3.030 m Höhe liegt. Bereits auf dem Zustieg gab es ein besonderes Naturerlebnis: Ein prächtiger Steinbock lag nur etwa 20 m vom Weg entfernt und beobachtete die drei Bergsteiger ganz entspannt. Der Weg führte bald aufs erste Gletschereis und über Geröllfelder, wo Steigeisen- und Gehtechnik aufgefrischt werden konnten. Nach einem letzten Gegenanstieg erreichte die Gruppe dann schließlich die Britanniahütte. Im Anschluss an das Check-in gab es ein Wetterupdate und die Besprechung der für den nächsten Tag geplanten Akklimatisierungstour. Das Abendessen bestand aus Suppe, Salat, Nudeln mit gefüllter Rinderroulade und Kuchen als Dessert.
Am Dienstag läutete der Wecker früh: Frühstück war um 3:00 Uhr, Abmarsch um 3:30 Uhr. Die geplante Akklimatisierungstour führte zunächst über den Hohlaubgletscher, dann durch ein Geröllfeld und weiter über den Allalingletscher in Richtung Fluchthorn. Am Fuße des Fluchthorn entschied sich ein Mitglied der Seilschaft – gesundheitlich angeschlagen – den letzten Anstieg über die steile Firnflanke nicht mitzugehen. Gut gewärmt durch Daunenjacke, Biwaksack und heißen Tee pausierte er an einer Felsinsel, während Paul und Björn zügig den Gipfel erreichten und wieder zurückkehrten. Gemeinsam trat das Trio den Rückweg zur Hütte an. Zu guter Letzt brach noch ein Steigeisen von Björn, wodurch der letzte Teil des Gletschers mit nur einem Steigeisen absolviert werden musste. Ein solches Materialversagen hätte in anspruchsvollerem Gelände oder mitten auf der Tour gravierende Folgen haben können.
Ein Bergsteiger gesundheitlich angeschlagen, der andere mit kaputtem Steigeisen, das war die ernüchternde Bilanz nach der Akklimatisierungstour.
Nachdem sein Zustand sich nicht besserte, entschied sich der angeschlagene Teilnehmer noch am selben Tag für die Heimreise ins Tal und nach Wiesbaden und bot freundlicherweise sein intaktes Steigeisen als Ersatzteilquelle an. Glück im Unglück für Björn, der auf diese Weise die geplanten Touren doch noch fortsetzen konnte.
Tag 3: Rimpfischhorn (4.199m) – Höhepunkt der Tourenwoche
Paul und Björn starteten erneut früh (Frühstück 3:00 Uhr, Aufbruch 3:30 Uhr) zur großen Hochtour aufs Rimpfischhorn. Der Aufstieg erfolgte über den spaltenreichen Allalingletscher hinauf zum Allalinpass und weiter über den Mellichgletscher an der Westseite des Bergs entlang. Nach ca. fünf Stunden Aufstieg wurde das Felsgelände am Rimpfischsattel (3.990 m) erreicht. Das steile Eiscouloir, der folgende Grataufschwung und die Felskletterei (Schwierigkeit II-III) forderten volle Konzentration, Sicherung und Kletterfertigkeit; besonders heikel war eine exponierte, vereiste Querung. Die Wegfindung gestaltete sich speziell am Einstieg als anspruchsvoll. Da der schmale Gipfel (4.199 m) nur wenig Platz bietet und drei weitere Seilschaften folgten, blieb nur wenig Zeit für eine Gipfelrast. Dennoch entschädigte die atemberaubende Aussicht auf die Walliser Viertausender für die Mühen und den Wind. Für den Abstieg ließ sich das Duo bewusst etwas hinter die anderen Gruppen zurückfallen, um das Steinschlagrisiko zu minimieren. Nach etwa 12,5 Stunden waren sie erschöpft zurück an der Hütte.
Abends gab es ein kräftigendes Abendessen mit Suppe, Risotto und Braten. Björn spürte erste Magenprobleme, wahrscheinlich wegen der enormen Belastung des Tages.
Für den nächsten Tag war die Überschreitung vom Allalinhorn über das Feejoch zum Alphubel und weiter zur Täschhütte geplant. Aufgrund angekündigter Wetterverschlechterung und anhaltender Magenprobleme wurden alternative Routenoptionen erarbeitet. Wieder sehr früher Aufbruch (3:30 Uhr), Aufstieg über Gletscher und Firnfelder zum Allalinhorn. Die Firnhänge und der Firngrat waren zu dem Zeitpunkt nicht vereist und gut begehbar, gleichwohl recht ausgesetzt, sodass konzentriertes und sicheres Gehen wichtig war, da hier eine Sicherung praktisch nicht möglich ist. Die Überraschung: Paul und Björn standen ganz allein auf dem sonst stark besuchten Gipfel.
Nach Fotos und kurzem Genuss der grandiosen Rundsicht stiegen sie ab, setzen die Tour aber nicht Richtung Alphubel und Täschhütte fort, sondern entschieden sich wegen Björns Magenproblemen und unsicherer Wettervorhersage für den Direktabstieg ins Saas-Fee-Skigebiet und gelangten mit Seilbahn und Bahn zurück nach Stalden, wo ihr Elektroauto geparkt war. Bei einem Ladestopp genossen sie noch einen wohlverdienter Burger und verließen die Schweiz nach etwas Grenzstau in Richtung Deutschland.
Fazit der Hochtourenwoche:
Die Touren waren fordernd, abwechslungsreich und unvergesslich: spektakuläre Naturerlebnisse, Gletscherrouten, technischer Eis- und Felsanstieg, Gipfelerfolge und intensive Team-Momente prägten die Woche. Der flexible Umgang mit Wetter, Gesundheit und technischen Herausforderungen zeigte erneut: Am Berg ist Anpassungsfähigkeit das Wichtigste – und jede Tour bringt wertvolle Eindrücke für das weitere Bergsteigerleben.
Videos über die Touren Tour findet ihr auf den Social Media Kanälen des DAV Wiesbaden.
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